Was ist nur mit Charly los?

Rückzugsort

In letzter Zeit verbringt Charly die meiste Zeit im fensterlosen Badezimmer auf der Waschmaschine. Er schläft lange in einem Bettchen, das ich ihm dort oben extra, nachdem er so oft auf der kahlen Waschmaschinenablage gelegen hatte, bereitgestellt hatte. Diesen Rückzugsort nimmt er in Anspruch, wenn es ihm mal nicht so gut geht, oder sich vor irgendetwas ängstigt. Er gehört zu der Sorte Katze, die sich eher in sich zurückziehen, einkuscheln und schlafen und nicht zu denen, die sich an ihren Menschen wenden, wenn sie sich nicht wohl fühlen. Außer es geht um Futter und eine schmutzige Toilette, dann meldet er diesen Mangel sehr deutlich. Ich machte mir also Sorgen und ob es etwa mit seiner Krankheit zusammenhängt, dass er sich so selten bei mir blicken lässt.

Atemfrequenzmessung

Also suche ich ihn eben öfters im Bad auf, um ihn zu streicheln und gut zuzureden. Das findet er auch ganz toll und er rekelt sich und streckt mir schnurrend seinen Bauch entgegen. Dies ist bei Charly nicht als Abwehr zu deuten, sondern als „kraul mich“. Außerdem ist er keine Kratzbürste und sehr sanft. Bei den Krauleinheiten braucht man sich nicht zu fürchten, dass seine Laune plötzlich umschwenken könnte. Zum Badezimmerbesuch gehört auch, dass ich ihm täglich seine Atemfrequenz messe. Das dient zur Beobachtung, ob sich Wasser in seiner Lunge angesammelt hat. Wie misst man eine Atemfrequenz? Ganz einfach: Wenn er sich im Ruhezustand befindet beobachte ich seine Bauchdecke, die sich bei jedem Atemzug hebt und senkt. Dabei wird jedes Heben gezählt. Normalerweise zählt man zehn Sekunden und rechnet das dann auf eine Minute hoch. Weil ich aber in der Beziehung nicht über Multitasking verfüge und nicht gleichzeitig die Bauchdecke und die Uhr im Auge behalten kann, habe ich mir eine App auf mein Smartphone geladen. Es handelt sich zwar um den „Atemfrequenz-Messer für Hunde“ aber das macht keinen Unterschied. Bei Hunden wie bei Katzen gelten die gleichen Richtwerte und die sollten 30 Atmungen in der Minute nicht überschreiten. Darüber wird es kritisch und der Tierarzt sollte kontaktiert werden. Bei Charly liegt der Wert durchschnittlich bei 24. Also alles noch im grünen Bereich. Trotzdem machen ihm seine Krankheitssymptome gerade mehr zu schaffen als sonst. Das verraten mir seine Augen. So gerne würde ich dem Geplagten sein Leid mildern, doch manche Dinge muss man akzeptieren und annehmen wie es ist, auch wenn es schwerfällt. Er jedenfalls hat sich mit seinem Schicksal gut arrangiert.

Charly hat Angst

Doch sein Rückzug ist nicht der einzige Grund. Ich stellte fest, dass sobald ich die Wohnung verlasse, marschiert Charly ins Bad, so als ob er sich in Sicherheit bringen wolle. Ich beobachte auch, dass er bei Geräuschen aus unserem Umfeld mehr lauscht. Oft erschrickt er und zuckt zusammen, auch wenn hinter ihm nur etwas ganz leise hörbar ist. Das kenne ich gar nicht an ihm. Normal ist er immer relaxt, denn bei uns ist es immer ruhig. Irgendetwas muss während einer meiner Abwesenheiten passiert sein. Aber was? Ist jemand an unserer Tür gewesen? Ich habe das Gefühl, dass er sich im Wohnzimmer und im Schlafzimmer nicht mehr so sicher fühlt wie normal. Seine Lieblingsplätze dort besucht er nur noch, wenn ich da bin. Was hat sich verändert? Ich habe die Terrasse in Verdacht, denn die beiden Räume verfügen jeweils über einen Zugang zu ihr. Hat ihn da draußen jemand oder etwas erschreckt?

Bekanntschaft mit dem Übeltäter

Schon oft habe ich festgestellt, dass wenn man um eine Antwort bittet, diese auch bekommt. So wie heute. Ich war gerade in der Küche und Charly saß im Schlafzimmer vor der Terrassentür, die ich zum Lüften geöffnet hatte. Plötzlich schlich er sich in geduckter Haltung an mir vorbei ins Badezimmer. „Was ist denn Bubi? Vor was hast du Angst?“, habe ich ihn gefragt und ging dorthin wo er gerade herkam. Und siehe da eine Katze oder ein Kater, das Geschlecht konnte ich bei der kurzen Begegnung nicht erkennen, glotzte zur Terrassentür herein. Vermutlich wäre sie oder er auch hereinspaziert, wenn ich nicht um die Ecke gekommen wäre. Die grauweiß gescheckte Katze war mir bekannt. Ich habe sie schon öfters über die Terrasse huschen sehen und sie gehört irgendjemandem aus der Umgebung. Sie war es also, die meinen Charly so verängstigt hat. Vielleicht hat sie, wenn ich nicht da war, ihre Nase an unsere Scheiben gedrückt. Mein kleiner Schisser saß also mit weiten Pupillen auf der Waschmaschine, obwohl der Eindringling sich schon lange verdünnisiert hatte. Auch das Schließen der Tür und gutes Zureden nützte nichts ihn davon zu überzeugen, dass die Gefahr vorbei war. Ich nahm ihn also auf den Arm. Normalerweise mag er das nicht und lässt sich nur unter Protest ein kurzes Stück tragen. Doch heute verhielt er sich mucksmäuschenstill. Ich trug ihn also zum Terrassenfenster und zeigte ihm, dass da niemand mehr ist. Es hat eine Weile gedauert, bis er sich mit Ohren und Nase davon überzeugt hatte, dass er mir glauben kann. Trotzdem war er erst einmal vorsichtig. Aber er ging nicht mehr ins Bad zurück, sondern sprang zu mir auf das Sofa und dankte mir mit Kopfstößchen und an mich kuscheln, dass ich den Feind vertrieben hatte.

Es ist schön, ihn wieder ganz entspannt auf dem Sofa liegen zu sehen.

Eure Ela mit Charly

Ist die Katze krank, sorgt sich der Mensch

Man fühlt sich so hilflos, wenn der geliebte, vierbeinige Lebensbegleiter krank ist. Schließlich können sie sich nicht verbal mit ihren Besitzern verständigen und die Körpersprache einer Katze wird meist falsch interpretiert. Kleine Verhaltensveränderungen werden oft übersehen und schleichen sich dann langsam als Normalität ein. Gerade Katzen können Schmerzen stillschweigend hinnehmen. Sie beklagen sich nicht und lassen sich lange nichts anmerken. Wenn man dann spürt, dass etwas nicht stimmt, ist die Krankheit bereits sehr ernst zu nehmen.

Mein Kater Charly verhielt sich schon als kleiner Welpe nicht so wie „normale“ Katzen. Er ist ein Scottish Fold und dieser Rasse, sowie auch vielen anderen Rassekatzen, schreibt man einige gesundheitliche Probleme zu. Doch die Gesundheitschecks beim Tierarzt ergaben nie Auffälligkeiten. Die Herpesbläschen, die er zweimal am Mund bekommen hatte, wurde vom Tierarzt schulterzuckend mit Cortison behandelt. Da ich und der Tierarzt unter keinen Umständen ihm ein drittes Mal diese Spritze zumuten wollte, probierte ich zum ersten Mal alternative Präparate aus…und siehe da es hatte geholfen. Die Bläschen waren weg und kamen auch nicht mehr wieder. Sein Appetit war wieder normal, seine Augen blitzten wieder klar und machte auf mich wieder einen fitten Eindruck.

Charly war schon immer vorsichtig und sensibel. Als meine Kätzin Joy noch lebte, und sie sich als Freigängerin entpuppte, erlaubte ich ihm mit ihr zu den Nachbarsterrassen zu gehen. Sie passte auf ihn auf und wenn ich sie rief schubste sie ihn so lange, bis er ihr nach Hause folgte. Leider fiel mein kluges Mädchen im Frühjahr 2019 einem Unglück zum Opfer und war nicht mehr nach Hause gekommen. Charly hatte sehr lange getrauert. Vielleicht hätte ich ihm sofort wieder einen Kameraden holen sollen, aber ich habe keine Möglichkeit meine Terrasse so zu sichern, dass sich die Katzen nicht weiter weg entfernen können und nochmals ein Tier auf diese Weise zu verlieren, wollte ich nicht mehr riskieren. Seitdem lebt Charly mit mir alleine und seine Ausflüge beschränken sich nur noch innerhalb unserer Wohnung und der Terrasse, die er auch ohne Absicherung nicht verlässt.

Nach der Trauer bekam Charly Verdauungsprobleme und er litt immer öfter an Verstopfung. Den Tierarzt den ich damals konsultierte behandelte leider nur die Symptome, nicht die Ursache. Ich holte mir Rat bei einer Tierheilpraktikerin. Sie verordnete ihm eine Ernährungsumstellung und riet mir zu hochwertigerem Futter mit einem höheren Fleischanteil. Das Trockenfutter bekam er ab da nicht mehr. Sie stellte mit verschiedenen Naturheilmitteln einen Therapieplan zusammen. Danach verschwanden die Probleme und er erfreute sich bester Gesundheit. Dachte ich…

Armer kranker Kater

Man macht sich immer Vorwürfe, wenn man die Anzeichen nicht richtig erkannt hat und in unserem Fall musste erst etwas Schlimmes passieren, damit auch die übrigen gesundheitlichen Probleme aufgedeckt wurden.

Der Mai 2021 war wohl einer der schlimmsten Monate für Charly und mich. Zuerst verschluckte er einen Grashalm so blöd, dass er irgendwo im Nasen-Rachenraum hängen blieb und ich Angst hatte, er könnte daran ersticken. Er musste sich der Prozedur einer Spülung unterziehen. Kurz danach bekam er auch noch eine Blasenentzündung, die sich in häufigem Absetzen von kleinsten Mengen Urin unter starken Schmerzen und Unsauberkeit äußerte. Es musste eine Ultraschalluntersuchung und eine Röntgenaufnahme gemacht werden. Natürlich, wie kann es anders sein, passierten die beiden Notfälle immer am Wochenende und ich musste mit ihm in die Tierklinik. Dort wurde er gründlich untersucht. Die Ärzte waren sehr nett und nahmen sich sehr viel Zeit für uns. Vielleicht musste es so sein, dass er dort behandelt werden musste, denn was ich dann zu hören bekam, war niederschmetternd.

Zahnschmerzen

„Sehen Sie den schmalen roten Streifen am oberen Zahnfleischrand?“ wurde ich vom Tierarzt gefragt. Er hielt Charlys Kopf profimäßig fest und schob seine Lippe nach oben. Von mir hätte er sich das nicht gefallen lassen und hätte sich lauthals beschwert. Den Ringkampf mit meinem sieben Kilo schweren Kater verlor ich auch ständig. Aber dem festen Griff des Tierarztes entkam er nicht. Ich nickte.

„Sein Zahnfleisch ist stark entzündet und es kann sein, dass die Zahnwurzeln auch schon angegriffen sind. Die Zähne selbst sehen, bis auf ein bisschen Zahnstein, zwar gut aus, aber das muss man unbedingt röntgen. Wenn sich herausstellt, dass die Wurzeln kaputt sind, müssen die Zähne gerissen werden, denn er hat sicherlich Schmerzen. Ist Ihnen da etwas aufgefallen?“

Oh, je, dachte ich. Es lag also daran, dass er in letzter Zeit oft Mundgeruch hatte und er nur noch fein pürierte Pastete gefressen hat. Es tat mir sofort leid, dass ich ihn immer verdächtigt habe wählerisch und heikel zu sein. „Ja, er frisst nicht mehr alles und die Leckerlis möchte er auch nicht mehr zerbeißen. Aus seinem Maul riecht er in letzter Zeit auch komisch.“

„Das deutet alles darauf hin. Lassen Sie das bitte kontrollieren!“

In meinem Kopf fing es an zu rattern. Zahlt das meine OP Versicherung? Warum habe ich nur keine Krankenversicherung für ihn abgeschlossen? Da habe ich wohl wieder am falschen Fleck gespart. Scheibenkleister. Haben mich die beiden Notfälle schon ein halbes Vermögen gekostet und jetzt das noch. „Ja, das mache ich auf jeden Fall,“ antworte ich.

Nun griff der Arzt nach dem Stethoskop und lauschte: „Da höre ich auch noch ein unnormales Geräusch am Herzen. Es schlägt zu schnell. Das muss nichts Schlimmes bedeuten, aber ich würde das auch unbedingt von einem Kardiologen untersuchen lassen.“

Wieder rattert mein Rechencomputer im Kopf. „Ja, das werde ich auch nachschauen lassen,“ gab ich zur Antwort.

„Jetzt hole ich Ihnen noch die Medikamente für die Blasenentzündung und ein Schmerzmittel. In zehn Tagen lassen Sie bitte seinen Urin nochmal untersuchen, ob die Entzündung weg ist. Die Termine wegen der Zähne und des Herzens können Sie dann auch gleich vereinbaren. Sie könne das bei uns machen, aber auch wo anders. Das liegt bei Ihnen, aber bitte auf jeden Fall kontrollieren lassen.“

Wahrscheinlich waren in meinen Augen die „Eurozeichen“ sichtbar gewesen, weil er das so eindringlich zu mir gesagt hat. In meinem Herzen war jedoch nur tiefes Mitgefühl und das überdeckte auf jeden Fall die Angst vor einer hohen Tierarztrechnung.

Charly’s Herz

Der Weg zur Tierklinik ist für mich ohne Auto etwas kompliziert, deshalb suchte ich mir eine andere Tierarztpraxis, die für mich besser zu erreichen ist. Ich fand eine Praxis, bei der sich auch sämtliche Untersuchungsmöglichkeiten unter einem Dach befanden. Zuerst hieß es Aufnahmestopp für neue Patienten, aber nachdem ich Charlys Probleme genau schilderte, wurden wir zum Glück aufgenommen. Der Blasen-Nachsorgetermin ergab, dass alles in Ordnung war. Bei den übrigen Untersuchungen erhielt ich die gleiche Diagnose wie in der Klinik. Weil mein Kater bei der Zahnbehandlung eine Narkose erhalten würde, waren wir uns einig, dass zuvor das Herz kontrolliert werden musste. Wir vereinbarten einen Termin und ich hoffte, dass alles gut ausgehen würde. Doch über der Frage der Ärztin ob ich etwas an Charlys Verhalten bemerkt habe, grübelte ich. Er war beim Spielen nicht sehr ausdauernd und wenn er einmal seiner Katzenangel nachjagte, war sein Spurt nur von kurzer Dauer. Er schaute lieber zu, wenn ich mit seinen Bällen oder Angeln spielte. Ich dachte es kommt daher, weil er rassetypisch schwer ist und seine Beine so kurz sind. Also ein anatomisches Problem. Sollte ich mich da auch getäuscht haben?

Ohne wirklich triftigen Grund sollte man seiner Katze einen Herzultraschall nicht zumuten. Es ist purer Stress. Wir hielten ihn zu zweit fest, während die Kardiologin sein Herz abtastete. Sein unaufhörliches Miauen war herzzerreißend. Weil sie ihn nicht an der Brust rasieren wollte, war zuerst die Bildqualität am Bildschirm nicht sehr gut. Sie erklärte mir, dass das nicht an der Dichte des Fells liegt, sondern an der Luft, die sich im Fell befindet. Sie befeuchtet seinen Pelz mit Wasser, was ihm wiederum überhaupt nicht gefiel. Dann wurden die Bilder deutlicher. Ich sah die Umrisse seines pumpenden Herzens, rote und blaue Farbe blitzte auf.

„Sehen Sie das?“, die Ärztin deutete auf das pulsierende hell umrandete Schwarz. „Das nennt man „kissing lession“ und sieht aus, als ob sich die beiden Wände küssen würden. Das ist eine Anomalität, die häufig bei Rassekatzen vorkommt.“

Nach ihrer Erklärung sah ich es auch ganz deutlich. Dann sagte sie lange nichts mehr.

Nachdem die Untersuchung beendet war und Charly erlöst wurde, klärte mich die Kardiologin in einem langen Gespräch auf. Dabei erklärte sie mir anhand des entstandenen Bildmaterials den Befund. „Charly ist schwer Herzkrank…wirklich schwer,“ endete sie.

Ich musste das Gesagte und Gezeigte erst verarbeiten und konnte noch nicht glauben was ich erfahren musste. Ich versuchte den Wirrwarr in meinem Kopf zu ordnen. Verdickungen, zu hoher Blutdruck, vergrößerter Vorhof, Flüssigkeitsablagerungen. Eins wurde mir klar. Er ist nicht faul und träge. Er hat ein krankes Herz und ich fühlte mich schuldig, dass ich es nicht früher gesehen habe.

Sterben

Das ein Tier, im besten Fall sogar, früher stirbt als sein Mensch ist klar. Aber das es aus gesundheitlichen Gründen nicht sehr lange leben wird, ist bitter. Dabei dachte ich immer wir beide werden zusammen alt. Wie lange er noch bei mir bleiben darf, konnte mir die Ärztin nicht sagen. Das kommt darauf an wie schnell die Verdickungen wachsen und wie viel Flüssigkeit sich in seinem Körper und Organen ansammeln wird. Es können ein paar Monate sein, aber vielleicht noch ein paar Jahre. Ich hoffe, das Letztere tritt ein. Die Frage ob er Herzschmerzen hat, hat mir die Ärztin mit nein beantwortet. Trotzdem hat er Schmerzen und zwar an den Zähnen und ich möchte nicht, dass er das noch länger aushalten muss. Deshalb war meine Entscheidung für die Zahn-OP und der damit verbundenen Narkose schnell geklärt.

Vorgestern war ich bei der Blutdruckkontrolle und das blutdrucksenkende Medikament hat angeschlagen. Das Narkoserisiko hat sich verringert. Doch ein gewisses Risiko bleibt, speziell bei einem Herzpatienten, immer. Ich bete für meinen lieben Kater, dass er Montag, den 28. Juni gut übersteht. Wenn er wieder aufwacht, werde ich jedenfalls alles was mir möglich ist tun, damit er noch ein gutes Leben bei mir hat. Wir können deshalb sämtliche Daumendrücker gut gebrauchen.

Rassekatzen

Nun stellt sich sicher die Frage, ob ich nach meinen Erfahrungen empfehlen kann, sich eine Rassekatze zu kaufen. Trotz allen Problemen bereue ich keinen Tag mit meinem Tier. Sein Charakter ist so, wie es dieser Rasse zugeschrieben wird und ich es mir ausgesucht hatte. Eine Rasse wie Charly würde ich mir jedoch nicht mehr kaufen, denn sie ist in meinen Augen eine Qualzucht. Für meine Wohnung ist ein Freigänger ungeeignet und wenn es schon eine Rassekatze sein sollte dann würde ich auf eine seriöse Züchtung achten.

Wie erkennt man einen seriösen Züchter? Er zeigt unaufgefordert immer die Mutterkatze und die Geschwister und beantwortet auch kritische Fragen, beispielsweise wie häufig die Mutterkatze gedeckt wird. Wenn der Züchter ausweicht, kann man davon ausgehen, dass man noch genauer hinschauen sollte. Die Zuchtpapiere und der Impfausweis mit gültigen Impfungen müssen vorhanden sein. Ein Züchter möchte immer den Interessenten persönlich kennenlerne und bietet seinen Kontakt für weitere Fragen und Problemen auch nach dem Kauf an.

Als ich Charly kaufte, war ich noch zu unerfahren um genau nachzufragen. Heute weiß ich, dass mich die Züchterin nicht wirklich gut aufgeklärt hatte. Ich denke, sie wusste bereits damals, dass Charly ein Sorgenkind werden könnte. Ein Katzenwelpe sollte nach 8 Wochen die erste Impfung für die Grundimmunisierung erhalten. Das ist bei Charly auch nicht geschehen. Vielen Hobbyzüchtern oder noch schlimmer „Vermehrern“ geht es in erster Linie nur darum schnell viel Geld zu verdienen. Leider steht das Wohl der Tiere oft erst an zweiter Stelle.

Was Katzen wollen

Den eigenen Willen lassen

So wie Hundebesitzer*innen ihre ganze Kraft und Ausdauer in eine gute Erziehung ihres vierbeinigen Begleiters stecken, sind Katzenhalter*innen damit beschäftigt, herauszufinden wie sie das Leben ihres Stubentigers so angenehm wie möglich gestalten können. Wenn man es richtig anstellt, wird der anhängliche Hund einmal das tun, was sein Mensch von ihm verlangt. Eigenständige Katzen hingegen verstehen es ausgezeichnet den Spieß umzudrehen.

Der Grund dafür ist, dass Hunde ihren Menschen anderes brauchen als Katzen. In einer Stresssituation wird ein Hund immer Schutz bei seinem Halter suchen. Katzen hingegen werden erst einmal versuchen das Problem selbst zu lösen. Eine Katze, die den Freigang geniest und schon deshalb auf sich selbst gestellt ist, muss sich auch alleine zurechtfinden können. Natürlich gibt es auch, vor allem in südlichen Ländern, die sogenannten Straßenköter, die auch gelernt haben sich selbst durchzuschlagen. Doch man wird sie als Rudeltiere kaum alleine antreffen, denn sie brauchen die Gemeinschaft. Katzen sind ebenso soziale Tiere, doch ihre Maus jagen sie dann doch lieber alleine.

„Sitz“, „Platz“, „Bleib“, „Aus“ – das habe ich noch nie meinem Kater befohlen. Wenn ich zu ihm spreche, dann klingt das eher so: „Was möchtest du denn? Was hast du denn jetzt schon wieder? Schmeckt es dir heute nicht?“ Nicht, dass ich eine Antwort erwarten würde, aber irgendwie versteht er es dann doch, mir sein Problem verständlich zu machen und mich zu einer Lösung zu veranlassen. Es hat schon einige Zeit gedauert, bis ich kapiert habe, was seine Wünsche sind, aber inzwischen nach 4,5 Jahren, klappt es schon ganz gut. Für meinen damaligen Hund wäre ich jedenfalls nicht morgens um fünf aufgestanden, um ihm seinen Futternapf zu füllen. Er hatte brav gewartet, bis sich meine müden Glieder aus den Federn erhoben hatten um dann noch einmal zu warten, bis ich gewaschen und angezogen war, um mit ihm seine Morgenrunde zu drehen. Wenn er dann vorbildlich sein Geschäft erledigt hatte, bekam er sein Futter. Anders bei meinem Kater Charly. Er frisst, schläft und erledigt sein Geschäft, wenn er es für richtig erachtet.

Aufmerksamkeit schenken

Charly hat mehrere Methoden entwickelt um mir mitzuteilen, was er gerne hätte. Manchmal reicht es schon, wenn er mich lange genug hypnotisiert, dass ich auf ihn aufmerksam werde und mich vom Sofa erhebe. Das gelingt ihm auch über den Spiegel im Flur. Wenn ich mich dann erhebe, eilt er mir voraus in die Küche. Erreichen mich seine Blickkontakte nicht, dann wird verbal kommuniziert. Sein „Miau“ zeigt sich in unterschiedlichen Tonlagen. Umso jämmerlicher es klingt, umso dringlicher ist sein Anliegen und mein Mutterherz ist einfach nicht in der Lage es zu überhören. Ich weiß nicht wie er es schafft, dass ich nicht sauer auf ihn werde, wenn er mich morgens um fünf weckt. Das dürfte sonst niemand mit mir machen.

Für die Aufforderung: „Spiel mit mir“, hat er eine andere Taktik entwickelt. Neben der Couch steht ein Körbchen mit Spielsachen. Reagiere ich nicht sofort, wenn er sich daneben setzt und mich anstarrt, schabbelt er solange mit den Vorderpfoten an der Glastüre am Schrank. Als Wohnungskater hat er wenig Bewegung und es ist ganz wichtig, dass er seiner Katzenangel hinterherjagen kann. Wenn ich es vergesse, und das ist meistens der Fall, erinnert er mich mit dem nervenden Geräusch daran.

Sauberkeit

Es meldet mir auch immer sofort, wenn er sein großes Geschäft auf dem Katzenklo erledigt hat, denn seine Nase ist sehr empfindlich. Eine Katze riecht 30 mal besser als ein Mensch. Also, bevor ich es rieche, gibt er schon mal Bescheid, dass es stinkt. Sauberkeit ist für ihn das A und O. Einmal in der Woche wird seine Toilette gründlich gesäubert und mit neuem Streu befüllt. In der Regel reicht das aus, deshalb kommt es auch sehr selten vor, dass er sich in meiner Badewanne erleichtert. Schließlich hat die Wanne die gleiche Farbe und Form wie sein Klo, nur etwas größer. Er tut es auch, wenn ihm etwas ganz besonders missfallen hat. Deshalb bemühe ich mich stehts damit es keinen Anlass dafür gibt. Dass ich das nicht leiden kann, weiss er natürlich ganz genau. Deshalb hat er sich etwas neues einfallen lassen um ein frisches Klo zu bekommen. Er geht an den Platz hinter den Vorhang, wo der Sack mit Streu steht und jammert. Es hat schon ein bisschen gedauert, bis es mir wie Schuppen vor den Augen fiel, was das zu bedeuten hat. Wenn ich dann seiner Aufforderung nachgekommen bin, wird die gereinigte Toilette sofort benutzt.

Gutes Futter und Rückzugsmöglichkeiten

Ich weiß, Sir Charly wird von mir verwöhnt und ich brauch mich auch nicht zu wundern, dass er das voll und ganz auskostet. Aber er ist auch ein Sensibelchen, das eben besonderer Aufmerksamkeit bedarf. Es hat lange gedauert, bis wir uns mit dem richtigen Futter einig geworden sind, und das er auch gut verträgt. Ihm muss das Essen nicht nur gut schmecken, sondern auch angenehm für ihn riechen. Manchmal flüchtet er vor Geräuschen, die für meine Ohren unhörbar sind, ins Bad auf die Waschmaschine. Auch wenn ich noch so genau hinhöre, erkenne ich die Furchtquelle nicht. Das Ohr einer Katze nimmt Schallwellen bis zu 65.000 Hz wahr, wobei wir Menschen nur bis zu 20.000 Hz hören können. Katzen leben deshalb in einer völlig anderen Geräuschwelt. Auf der Maschine, die im Mittelpunkt der Wohnung steht, fühlt er sich sicher. Inzwischen habe ich ihm ein Bettchen darauf platziert, wo er sich im Notfall zurückziehen und einkuscheln kann. Oft schläft er dort sogar stundenlang, oder träumt mit offenen Augen.

Genügend Liegeplätze und Streicheleinheiten

Für jede Jahreszeit oder jeden Anlass hat Charly einen besonderen Liegeplatz. Auf seinem Kratzbaum liegt er am liebsten. Da kann er alles gut überblicken und wenn ich am Esstisch sitze und schreibe, kann er mir über die Schulter schauen. Im Frühling, wenn die ersten Sonnenstrahlen morgens ins Schlafzimmer blitzen, versteckt er sich gerne in seinem geschlossenen Körbchen und blinzelt durch die Ritzen. Im Winter streckt er sich auf der Marmorplatte über der Heizung aus und hängt seine Nase über die warme Luft, oder er kuschelt sich in seine Katzenhöhle neben der Heizung. Beim Fernsehen leistet er mir Gesellschaft auf dem Sofa, oder auf der angrenzenden Truhe mit seiner Decke und seinem roten Kissen. Seiner Rasse wird nachgesagt, dass er kein Kuschelkater ist, der ständig auf- oder neben mir liegen muss und das stimmt auch. Deshalb freue ich mich immer sehr, wenn er meine Nähe sucht und richtig durchgeknuddelt werden möchte. Wenn ich im Bett mit der einen Hand mein Buch halte und die andere Hand meinen schnurrenden Kater krault, ist die Welt für mich jedenfalls in Ordnung.

Hier werden Sie geholfen

Hilferuf

„Was ist das für ein Geschrei?“, dachte ich mir als ich am Samstag in den frühen Morgenstunden von einem undefinierbaren Geplärr vor meinem Schlafzimmerfenster aufwachte. „Ein Baby?“, fragte ich mich schlaftrunken. „Nein, hört sich eher nach einer Katze an,“ dachte ich während ich wieder in den Schlaf zurücksank. Ein paar Stunden später, als ich mich dann aus meinem Bett geschält hatte und am Wohnzimmerfenster die Rollos hochzog, vernahm ich wieder dieses laute, sehr intensive Jammern. Nun war ich mir sicher, dass es sich um eine Katze handeln musste. Neugierig geworden, öffnete ich meine Terrassentür und sagte: „Ja, was ist denn da los? Wer schreit denn da so?“ Kaum hatte ich das ausgesprochen streckte auch schon eine schwarze Katze, die gerade versuchte, vom Nachbarn erhört zu werden, ihren Kopf durch die Hecke. Sie blickte mich mit weit aufgerissenen Augen an. Mein erster Gedanke gehörte dem Kater Damian, dem ich im Sommer geholfen hatte, seine Familie wieder zu finden. Aber ich erkannte schnell, dass er es nicht war. Ich hatte die Worte, „na wer bist denn du, wem gehörst du denn?“, noch nicht ganz ausgesprochen, rannte sie auch schon schnurstracks auf mich zu. In ihrem Gesicht glaubte ich zu lesen, dass sie sich über die Aufmerksamkeit, die ich ihr schenkte, riesig freute. Bei den geweiteten Pupillen hatte ich den Eindruck, als ob sie sagen würde: „Juchuu, endlich ein Mensch, der sich meinem Problem annimmt.“ Sie setzte sich vor mich hin und gab seltsame Laute von sich, so als ob sie versuchte, mit mir zu sprechen. Das hörte sich sehr lustig an. Ich beugte mich zu ihr und streichelte sie. Diese freundliche Geste meinerseits erwiderte sie mit Schmeicheleien um meine Beine. Bevor ich mir überlegen konnte, wie ich mit ihr vorgehen sollte, war sie auch schon in meinem Wohnzimmer und machte keine Anstalten wieder zu gehen. Sie fing an den Raum zu erkunden. Ich ließ sie gewähren, sorgte mich aber gleichzeitig um meinen Kater Charly. Schließlich wusste ich noch vom letzten Gast seiner Art, dass er darüber nicht sehr erfreut war.

Die Selbstbewusste

Charly lag auf seinem Kratzbaum und beobachtete mit erhobenem Kopf den schwarzen Pelz, wie er sein Revier durchstreifte. Ich streichelte meinen Kater, redete ihm gut zu und versuchte ihm die Anspannung zu nehmen. Diesen Stress wollte ich ihm eigentlich ersparen, aber die Schwarze war so lieb und tat mir leid. Draußen war es kalt und ich vermutete aufgrund ihres Geplärrs, dass sie Hunger hatte. Ihre Körpersprache zeigte nur zu deutlich, dass sie jemanden brauchte, der sich um sie kümmerte. Also ging ich in die Küche um eine Dose zu öffnen. Mit erhobenem Schwanz rannte sie mir nach und mit einem Satz war sie auch schon auf meiner Küchenablage und presste ihre Schnauze an das Blechgefäß. Gierig verschlang sie die Mahlzeit und verlangte Nachschlag. Als sie satt war, leckte sie sich genüsslich über die Schnauze und schaute mich dankbar an. Von dem Moment an verfolgte mich die kleine, zierliche Samtpfote wie ein Schatten auf Schritt und Tritt. Sie war sofort zutraulich und schmiegte sich auf dem Sofa an mich. Ständig suchte sie meine Körpernähe, wogegen Charly eher skeptisch alles von der Ferne beobachtete. Mir war schnell klar, dass dieses menschenbezogene Tier bestimmt schrecklich vermisst wurde. Selbstbewusst adoptierte sie mich und kennzeichnete mich als ihr Eigentum, während ich sie untersuchte und feststellte, dass sie ein Mädchen war und sich eine Zecke auf ihrem Kopf festgebissen hatte. Doch ich durfte ihr das Ungeziefer ohne Gegenwehr entfernen. Sie gab mir das Gefühl, als ob wir uns schon seit ewigen Zeiten kennen würden. Auch Charly zeigte Interesse, doch aufgrund seiner Faltohren war die Kleine sehr misstrauisch und hielt ihn mit ihrem Fauchen auf Distanz. Eingeschüchtert schlich er auf leisen Pfoten durch seine Wohnung immer mit einem Blick nach hinten gerichtet, ob er auch nicht verfolgt wurde. Er tat mir leid, aber irgendwie mussten wir dieses Wochenende zusammen überstehen, denn meine Tierärztin war erst wieder am Montag in der Praxis und ich hoffte inständig, dass die Kleine einen Chip implantiert hatte.

Der Unsichere

Mein Samstag war damit ausgefüllt das Verhalten der beiden Artgenossen zu beobachten und sie möglichst gerecht mit meiner Zuwendung zu beschenken. Das war nicht leicht, weil sich die Kleine ständig in den Vordergrund drängte und meine Aufmerksamkeit ganz für sich beanspruchen wollte. Auch beim Füttern musste ich darauf achten, dass sie möglichst weit getrennt voneinander ihr Mahl einnehmen konnten. Vor allem der unsichere Charly brauchte meine volle Unterstützung um ihm die Sicherheit zu geben, dass er während des Fressens auch ungestört bleibt. Bei den wenigen Begegnungen im engen Flur wurde ein bisschen geknurrt und gefaucht, was ich sofort durch meine Anwesenheit unterbinden konnte. Ansonsten wurde das Platzangebot mit Abstandsregelung eingehalten. Es ist bewundernswert wie es Tiere verstehen sich das Herz eines Menschen zu erobern. Vorausgesetzt natürlich der Mensch mag Tiere. Ich fing an das Kätzchen mit ihrem liebenswerten Charakter zu mögen, doch ich vermied es sie ganz darin einzuschließen, denn sie gehörte nicht zu mir und schon gar nicht zu Charly. Schließlich hätte er eine gehörige Portion Mitspracherecht, wenn es um einen neuen Mitbewohner/in in unserem Haushalt ginge. Trotzdem wollte ich sie irgendwie benennen und da viel mir ein, wie ich meine Joy immer nannte. Sie hatte den Kosenamen „Maus“ und so nannte ich jetzt auch meine Pflegekatze, wenn ich mit ihr sprach.

Neue Strukturen

Die erste Nacht teilte ich mein Bett mit der Maus und Charly hatte es vorgezogen im Wohnzimmer zu nächtigen. Das war nicht weiter schlimm, denn er schläft auch sonst nicht jede Nacht bei mir. Er schafft sich hin und wieder Abwechslung in Bezug auf bevorzugte Plätze. Am Sonntag verzichtete ich zugunsten des Hausfriedens auf meinen Waldspaziergang. Aber weil ich mir am Freitag eine Blase an die Ferse gelaufen hatte, viel mir die Entscheidung zu Hause zu bleiben leicht. Unser Tagesprogramm verlief ähnlich wie am Samstag mit dem Unterschied, dass allmählich das Zusammensein eine Struktur bekam. Die kluge Maus hatte schnell begriffen, was bei mir unerwünschtes Verhalten war und sie lernte sehr schnell. Charly musste ich immer wieder mit einbeziehen, damit er sich nicht zu sehr zurückzog. Die meisten Bedenken hatte ich Sonntagabend, weil ich am Montag zur Arbeit musste und die Beiden für drei Stunden am Vormittag alleine lassen. Die zweite Nacht war mein Bett auch wieder von einem schwarzen Pelz belegt. Am Morgen als ich aufbrach, hatte ich ein mulmiges Gefühl. Aber als ich sie so liegen sah, die Maus relaxt auf dem Sofa und Charly schnarchend auf dem Kratzbaum, ging ich ins Vertrauen, dass alles gut gehen wird. Beim Heimkommen lagen sie immer noch genauso da wie ich sie verlassen hatte.

Tierliebe – was ist richtig, was ist falsch

Leider bekam ich am Montag keinen Termin bei meiner Tierärztin und musste noch bis Dienstag warten. Meine Suche nach vermissten Katzen im Portal des Tierheims hatte auch nichts ergeben. Der dritte Tag war schon wesentlich entspannter. Die Maus kannte nach so kurzer Zeit bereits meinen Rhythmus und konnte schon ein bisschen meine Körpersprache lesen. Sie verfolgte mich auch nicht mehr auf Schritt und Tritt sondern war wesentlich ruhiger geworden. Am Nachmittag spielte sie das erste Mal mit Charlys Spielsachen und mein Kater sah ihr dabei zu. In dieser Nacht blieb sie auf dem Sofa und Charly nützte die Gelegenheit, wieder an meiner Seite im Bett seinen Bauch gekrault zu bekommen, während ich in meinem Buch las. Trotzdem spürte ich seine Verkrampftheit und bei jedem Geräusch zuckte er und schaute nach, ob die Maus in unsere Nähe kam. Am nächsten Vormittag konnte ich endlich die Kleine in die Transporttasche stecken und mit ihr zur Tierärztin. Ich war schon sehr gespannt und hoffte auf ein positives Ergebnis. Meine Mühe wurde prompt belohnt. Das Lesegerät zeigte einen Treffer und eine Chipnummer an. Ich war erleichtert. Dann ging alles ganz schnell. Die Besitzerin meldete sich und kurze Zeit darauf wurde die dreijährige Amara, die schon seit Anfang Dezember vermisst wurde, abgeholt. Die Freude war sehr groß und ich war ebenfalls glücklich über meine gute Tat. Doch die Tatsache, dass Amara bereits seit über sieben Wochen vermisst wurde, wirft bei mir Fragen auf, die für mich unverständlich sind. Amara muss von jemandem gefüttert worden sein, der es nicht in Betracht gezogen hatte, herauszufinden wo sie hingehört. So etwas kann ich einfach nicht nachvollziehen. Entweder ich füttere nicht, oder ich kümmere mich auch um die übrigen Umstände und Bedürfnisse des Tiers. Denn das ist für mich falsch verstandene Tierliebe. Wenn nun keine Zugehörigkeit von Amara festgestellt werden hätte können, hätte sie auch nicht bei mir dauerhaft bleiben können Charly hätte der Stress sicher seiner Gesundheit geschadet. Deshalb bin ich so froh und dankbar, dass sie gechipt war. Ich kann nur jedem/r Katzenbesitzer/in raten, dies zu tun. Sie in ein Tierheim zu geben, hätte ich sicher nicht über mein Herz gebracht und die Suche nach einem guten Platz hätte bestimmt noch viel Zeit in Anspruch genommen. Charly, kann ich nur sagen, ist sowas von erleichtert. Seine Anspannung ist direkt sichtlich von ihm abgefallen. Er bewegt sich nicht mehr auf Zehenspitzen und hat erst einmal stundenlang geschlafen.

Ich bin wirklich nicht darauf aus, jede Katze, die mich auf meiner Terrasse besucht zu füttern und hereinzulassen. Trotzdem hat mich mein Gefühl dieses Mal wieder nicht getäuscht, dass es sich um ein Tier handelte, das Hilfe brauchte. Irgendwie muss sich das in der Katzenwelt herumgesprochen haben, dass ich nicht wegschaue sondern zu- und hinhöre und solange Charly mitspielt werde ich immer helfen soweit meine Möglichkeiten reichen.

Eure Gisela mit Charly

Streit…

…kommt in den besten Familien vor

Charly und ich sind ja so etwas wie ganz dicke Freunde. In seinem letzten Tiergespräch mit einer Frau, die sich gerade in Tierkommunikation ausbilden lässt, bezeichnete er mich als seinen Kumpel. Darauf bin ich natürlich gewaltig stolz, denn wer ist nicht gerne mit seinem Tier eng verbandelt.

Hin und wieder kommt es aber vor, dass ich mich über das Fressverhalten meines Fellfreundes ärgere. Er hat die Angewohnheit nach Futter zu verlangen und es dann, wenn es aus irgendeinem Grund für ihn an diesem Tag nicht passt, verschmäht. Da Charly ein Problem mit seinem Verdauungstrakt hat, kann er nur bestimmtes, für ihn verträgliches Futter bekommen. Diese Nahrung ist nicht billig und es zehrt an mir, wenn ich es in den Müll schmeißen muss, nur weil dem Herrn gerade heute diese Sorte nicht zusagt. Und schon mal geöffnetes Futter, das bereits eine Weile steht und nicht mehr gut riecht, wird erst recht nicht mehr angerührt. Vielleicht bin ich auch selbst Schuld und habe ihn verzogen. In der Zeit, als während seiner Therapie nach passendem Futter gesucht wurde, habe ich ihm sehr oft nachgegeben und aus dieser Gewohnheit wurde nun eine Tugend.

Deshalb war ich so froh, als ich endlich Hersteller und Sorten gefunden hatte, die er verträgt und ihm auch behagen, so dass er seine Portionen meist ganz aufisst. Nun bin ich momentan in Kurzarbeit und verbringe sehr viel Zeit zu Hause und mit ihm. Meine ständige Anwesenheit verleitet ihn dazu, seine Rationen dann zu fordern, wenn ihm danach ist und nicht dann, wenn ich von der Arbeit heimkomme. Darauf habe ich mich ihm zuliebe eingelassen. Das klappte auch die letzten Wochen ganz gut bis ihm plötzlich gestern eingefallen war, dass ihm eine seiner Lieblingssorten plötzlich nicht mehr schmeckt. Vielleicht hätte er nicht Rind gewollt, sondern das Rind mit Lamm. Als ich ihm seinen Napf vorsetzte, verhielt er sich jedenfalls so, wie wenn ein Baby zum Spinatessen gezwungen wird. Er hockte sich vor seinen vollen Napf und versuchte durch Hypnose die Fleischsorte zu ändern.

„Wenn du wirklich Hunger hast, dann frisst du das auch!“, bemerkte ich beiläufig.

Doch darauf wollte er sich nicht einlassen, stand auf und beschwerte sich lauthals über das falsch gelieferte Menü, das er nicht bestellt hatte.

Das machte mich wütend: „Glaubst du vielleicht ich habe einen Geldscheißer, dass ich das teure Futter einfach so in den Müll werfen kann?“, und hob ihm die Schüssel unter seine Nase, die er mit seiner Stirn wegköpfte. „Dann eben nicht. Wenn du das nicht magst, hast du auch keinen Hunger.“ Mit diesen Worten nahm ich den Napf, deckte ihn luftdicht zu und stellte ihn in der Hoffnung, dass ich es ihm später nochmal anbieten kann, beiseite.

Doch Charly gab noch nicht auf, schließlich sind seine Beschwerden doch früher auch immer entgegengenommen worden.

„Dieses Mal nicht mein Freund“, grummelte es in mir. Sein Gejaule ging mir auf die Nerven und ich schubste ihn aus der Küche. „Verschwinde!“, befahl ich ihm.

Ungläubig drehte er um und brachte seine Klage nochmal vor. „Hau ab und nerv mich nicht!“, schubste ich ihn zum Zweiten mal hinaus. „Du bekommst erst etwas anderes, wenn du das aufgegessen hast“, rief ich ihm noch nach. Sichtlich gekränkt lief er ins Wohnzimmer und kringelte sich auf seinem Kratzbaum beleidigt ein.

Hungerstreik

Seit diesem Vorfall am Nachmittag kam er nicht mehr von seinem Schmollplatz herunter. Auch am Abend zur normalen Fütterungszeit bewegte er sich keinen Millimeter. Obwohl ich mir schon wieder Sorgen um seine Gesundheit machte, blieb ich hart. Ab und zu trafen sich unsere Blicke, doch wir blieben beide stumm. Als ich ins Bett ging, stellte ich ihm vorher noch sein verschmähtes Futter auf seinen Platz. Ich hörte ihn die ganze Nacht nicht und er legte sich auch nicht zu mir ans Fußende so wie er es die letzten Tage gerne gemacht hatte. Sein Streik zeigte indem bei mir Wirkung, dass ich einen unruhigen Schlaf hatte.

Es tut mir leid

Zum Frühstück wurde ich von ihm schon sehr zeitig geweckt. Als ich in die Küche ging, sah ich, dass er seinen Napf um mehr als die Hälfte geleert hatte. Er muss sich nachts, während ich geschlafen habe, in die Küche geschlichen haben. Das entlockte mir ein Schmunzeln und ich dachte: „Na also geht doch.“ Zur Belohnung reichte ich ihm eine große Portion frisches Futter, über das er sich sofort schmatzend hermachte. Weit gefehlt, als ich dachte alles wäre nun wieder gut. Nach dem Essen rollte er sich wieder wie eine beleidigte Leberwurst auf seinem Kratzbaum zusammen. Als ich mich dann etwas später zum Frühstück ins Wohnzimmer setzte, würdigte er mich keines Blickes. Jetzt tat es mir leid, dass ich ihn gestern so schroff behandelt hatte und ich versuchte seine Aufmerksamkeit zurückzugewinnen. Doch die Küsschen auf sein Haupt erwiderte er nicht wie gewohnt mit wohligem Schnurren, sondern nur mit einem kurz angebundenen „Mau.“

Erst als ich die Terrassentür öffnete, weckte ich sein Interesse und er kletterte herab. Die von mir angebotenen Leckerlies nahm er gnädig entgegen. Als ich mich selbst so beobachtete, kam mir der Spiegel in den Sinn, den wir von anderen Menschen und auch von unseren Tieren vorgehalten bekommen. „Ich kann mit Disharmonie ganz schlecht umgehen! Überhaupt wenn ich jemanden sehr gerne hab“, schoss es mir wie ein Blitz durch den Sinn. Eine bessere Botschaft hätte ich auch nicht durch eine Kommunikation mit Charly erhalten können und ich nahm mir vor, ihm bei unserem nächsten Gespräch zu erklären warum ich so wütend auf ihn war. In der telepathischen Welt werden solche Gespräche sehr gut verstanden. Ich bezweifle jedoch, dass Tiere verstehen was Geld für uns Menschen bedeutet. Vielleicht begreift er es trotzdem, wenn ich es ihm mit Verschwendung erkläre und er kann sein Verhalten dadurch ändern. Doch es muss immer berücksichtigt werden, dass sich ein Tier nach seinem Instinkt richtet und sich so verhält wie es angeboren und anerzogen wurde.

Bis jetzt hat er jedenfalls ohne Beanstandung schon drei Portionen verschlungen und er äußert wie gewohnt seine Wünsche. Alles ist wieder gut.

Eure Gisela mit Charly

Damian

Wenn das Eis bricht

Ich hatte die Hoffnung bereits aufgegeben, dass sich die schwarz Katze jemals von mir einfangen lassen würde. Doch meine Geduld wurde belohnt.

Nachdem wir uns durch Leckerlies bereits etwas nähergekommen waren und ich sie schon einmal anfassen durfte, gab ich meinen Plan noch nicht auf. Der Wunsch mehr von ihr zu erfahren, keimte in mir und Blackys Zutrauen wuchs täglich. Eines Morgens setzte ich mich mit einem Leckerchen lockend auf meinen kunststoffblauen Terrassenstuhl. Nachdem sie es aus meiner Hand gefressen hatte, wälzte sie sich genüsslich vor mir auf dem sonnenwarmen Boden und ich konnte endlich erkennen, dass sie ein Junge war. Am Abend wiederholte ich die Handfütterung, aber setzte mich dazu auf den Betonsockel vor der Terrassentür. Sofort kam er angerannt. Nachdem er das getrocknete Stängelchen gefressen hatte, beschnupperte er meine Hand und schaute mich auffordernd an, ihm noch eines zu überlassen. Ich ging also wieder zurück in die Küche um für Nachschub zu sorgen. Dabei bemerkte ich, dass er mir ein Stück gefolgt war, aber sofort wieder umdrehte, als er mich zurückkommen sah. Nach dem er das Zweite auch verputzt hatte, legte er seine Pfote auf meinen Schenkel. „Danke,“ sollte das wohl heißen. Er blieb noch eine ganze Weile bei mir, strich um meine Beine und rieb seine Backe an der Terrassenbank. Dann durfte ich ihn zum ersten Mal streicheln und er fand das so schön, dass er sein Köpfchen ganz fest in meine Hand zum Kraulen drückte. Das Eis war gebrochen.

Zuneigung

Von diesem Augenblick an wurde er immer mutiger. Am Abend, während Charly auf dem Esstischstuhl schlief, inspizierte er das Wohnzimmer. Vorsichtig setzte er zuerst ein Pfötchen nach dem anderen in den Raum und sah mich mit weiten Augen an. Ich erwiderte sein Blinzeln, das in Katzensprache so viel wie ‚ich mag dich‘ bedeutet. Er beschnupperte den Kratzbaum, Charlys Katzenhöhle und schleuderte eine Spielmaus quer durchs Zimmer. Danach rannte er wieder durch die geöffnete Tür in die gewohnte Freiheit. Ich spürte eine wachsende Verbindung zwischen uns, die meinen Plan nach seinen Besitzern zu suchen, gefährdete. Da er auch die angrenzenden Nachbarterrassen regelmäßig aufsuchte, sah ich ihn oft stundenlang nicht. Als er jedoch einmal über einen Tag nicht kam und ich mir schon Sorgen machte, schlüpfte er ausgehungert und voller Spinnweben, durch die grüne Terrassenabgrenzung. Danach verlies er die Terrasse zwei Tage nicht mehr. Hungergefühle bekundete er mir indem er sich vor seinen Essplatz setzte, oder sein Näschen an die Terrassentür presste und nach mir Ausschau hielt. Neugierig, woher ich seine Nahrung beschaffte, lief er mir zur Küche hinterher und spitzelte um die Ecke. Charlys Akzeptanz hielt sich nach wie vor in Grenzen, doch er duldete es, wenn ich Blacky fütterte und streichelte. Aber wehe es wurde zu viel, dann wurde aus meinem freundlichen Vierbeiner Grumpy Cat.

Liebe

Es regnete schon den ganzen Tag und Blacky rührte sich nicht aus seinem Kuschelbett unter dem Terrassentisch heraus. Da es auch ziemlich abgekühlt hatte, lud ich ihn ein sich ein bisschen in der Wohnung aufzuwärmen. Ich setzte mich auf mein Bett im Schlafzimmer und er nahm die Einladung danken an. Mit einem Satz sprang er zu mir und bearbeitete mit Milchtritten die kuschelige Überwurfdecke. Dann fing er an mit mir zu schmusen und ich durfte ihn zum ersten Mal in den Arm nehmen und an mich drücken. Es gefiel ihm, dass ich ihn auch wieder gehen ließ, wenn er es wollte. Wir hatten viel Spaß an diesem Nachmittag, aber ich war auch ein bisschen traurig, denn die Zeit war gekommen ihn überprüfen zu lassen.

Führsorge

Ich vereinbarte einen Termin mit meiner Tierärztin und hoffte, dass er sich an diesem Tag auch von mir hochnehmen lassen würde. Aber warum sollte er sich weigern, es gab für ihn keinen Grund mir nicht zu vertrauen. Es war Donnerstag der 06.08.2020 als ich ihn in die Transporttasche steckte. Seine Verwirrung war deutlich zu spüren, aber er verhielt sich während der Fahrt auf dem Rad ruhig und beobachtete aufmerksam wohin ich ihn bringen würde. In der Praxis angekommen hörte ich keinen einzigen Laut von ihm und dachte mir, dass er diese Prozedur wohl kannte. Die Untersuchung ließ er ohne Abwehr über sich ergehen. Doch er hatte große Angst. Als die Tierärztin ihn aus der Box nehmen wollte krallte er sich verzweifelt an der Decke fest. Ich berichtete der Ärztin alles was ich bisher mit Blacky erlebt hatte, während sie ihn abtastete. Die Veterinärin meinte, dass er Würmer haben könnte, weil sein Bauch etwas dick wäre. Doch ich dachte eher, dass ich ihn zu gut gefüttert hatte. Auch ein paar weiße Punkte am Kopf diagnostizierte sie als Zeckenbisse oder einen möglichen Pilzbefall. Das er ein Junge war, wusste ich bereits aber jetzt erfuhr ich auch das er kastriert war. Ich ahnte, dass so ein gut versorgter Kater sicher ein Zuhause haben musste. Meine Vermutung wurde bestätigt, als das Chipgerät eine Nummer anzeigte. „Er gehört zu jemandem,“ sagte ich zur Ärztin und wusste nicht, ob ich nun erleichtert oder traurig war.

Zusammenführung

Mit der Chipnummer und gemischten Gefühlen radelte ich mit Blacky auf dem Gepäckträger wieder nach Hause. Einerseits freute ich mich, dass er ein Zuhause hatte, aber andererseits vermisste ich ihn jetzt schon. Ich hatte mich inzwischen daran gewöhnt, dass er auf meiner Terrasse lebte.

Zu Hause angekommen öffnete ich die Transporttasche vor der geöffneten Terrassentür und wollte ihn mit sofortiger Freiheit belohnen. Ohne mich eines Blickes zu würdigen rannte er davon. Aber ich war mir ziemlich sicher, dass er bei knurrendem Magen wieder erscheinen würde. Gleich setzte ich mich an mein Notebook und gab bei Tasso die Chipnummer ein. Tatsächlich war er registriert und heißt Damian. Nicht lange danach, als ich meine Personalien bei Tasso eingegeben hatte, meldete sich die freudig, überraschte Tierbesitzerin. Sie konnte es nicht glauben, dass er wieder aufgetaucht war. Nach einem Gespräch stellte sich heraus, dass Damian bereits seit einem Jahr vermisst wurde. Im August 2019 war die Familie des Katers hierhergezogen und Damian war vom Balkon gesprungen. Da er sich noch nicht auskannte, hatte er auch nicht nach Hause zurückgefunden, denn eigentlich wohnen die Besitzer gar nicht so weit von mir entfernt. Ein Jahr hatte sich der kluge Kerl alleine durchgeschlagen. Eine unglaublich lange Zeit war er auf sich gestellt gewesen, bis er meine Terrasse gefunden hatte. Es war sehr schön mehr über ihn zu erfahren. Ich wusste nun, dass er schon sieben Jahre alt ist und ein halber Teil Siamkatze in ihm steckt. Die Schlauheit hatte er wohl von dieser Rasse geerbt.

Doch jetzt war er erst einmal verschwunden und ich musste die Besitzer vertrösten bis er wieder zurückkehren würde. Ein paar Stunden später war er auch wieder da und ich rief sofort bei den Leuten an. Zehn Minuten später standen sie in meinem Wohnzimmer und ich zeigte durchs Fenster auf den Abtrünnigen. „Ja, das ist der Bub! Das ist sein Gesicht,“ sagte die junge Frau zu ihrem Vater, der sie begleitete und ich freute mich mit ihr.

Enttäuschung

Keiner von uns hatte mit dieser Reaktion von Damian gerechnet. Blauäugig glaubte ich, dass er mit einem Leckerchen sofort wieder zu mir kommen würde. Doch er war bitter enttäuscht. Der Ausflug zum Tierarzt war aus seiner Sicht unzumutbar für ihn gewesen. Ich kam mir vor wie eine Verräterin, als er sich umdrehte und wegrannte. Die Besitzerin versuchte ihn zu rufen, aber entweder wollte er nicht mehr hören oder er wusste nicht wie es früher einmal geklungen hatte, als er gerufen wurde. Eine Weile unterhielt ich mich noch mit den Beiden, die ihre mitgebrachte Transportbox nun nicht mit ihrem vermissten Kater bestücken konnten. Es tat mir unendlich leid, aber die Reaktion von Damian erschien mir verständlich und ich erkannte, dass der Fehler bei mir lag. Ich hätte ihn nach dem Tierarzt nicht aus der Tasche lassen dürfen. Ich vereinbarte, dass ich ihn jetzt erst einmal in Ruhe lasse und zu einem späteren Zeitpunkt versuchen würde wieder sein Vertrauen zu gewinnen, um ihn in die mitgebrachte Transportbox zu stecken. Später tauchte Damian zwar auf, aber wenn ich in seine Nähe kam, verschwand er sofort wieder durch die Hecke ins Grüne um sich irgendwo in einer Ecke oder auf der Nachbarterrasse vor mir zu verstecken. Nicht mal mit einem Leckerchen war er zu bestechen.

Am nächsten Morgen als ich das Rollo öffnete, lag er an seinem gewohnten Schlafplatz und schaute mich fragend an. Aber das Vertrauen war futsch. Alles wieder von vorne und bei null anfangen? Sein Futter hatte er angenommen, aber ich wurde mit Verachtung gestraft. Ich vereinbarte mit den Besitzern eine Schonfrist übers Wochenende. Sollte er sich bis Montag nicht wieder eingekriegt haben, müssten wir uns eine Lebendfalle vom Tierheim besorgen.

Misslungene Übergabe

Überraschenderweise hatte mir Damian am Sonntagmorgen bereits wieder verziehen. Ich holte ein Leckerchen aus der Küche und raschelte mit dem Papier. Er spitzte die Ohren, denn das Geräusch versprach etwas Positives. Ich versuchte mich ganz normal zu verhalten und mir mein Vorhaben, ihn erneut in eine Box zu stecken, nicht anmerken zu lassen. „Wie falsch wir Menschen doch sind. So könnte ein Tier niemals sein,“ dachte ich. Als er sein Gutti aufgegessen hatte und an meiner Hand schnupperte, ergriff ich die Gelegenheit und nahm ihn auf den Arm. Im Schlafzimmer hatte ich bereits den Transportbehälter bereitgestellt. Er sträubte sich und spreizte seine Vorderpfoten weit auseinander und ich hatte alle Mühe ihn in die Box zu bekommen. Doch ich schaffte es. Mein Mitgefühl war groß und ich wollte ihn so schnell wie möglich wieder aus seinem Gefängnis entlassen können. Deshalb legte ich mir den Plan zurecht, dass ich loslaufe und unterwegs die Besitzerin anrufe. Leider kannte ich nur die Straße in der die junge Frau wohnte und hatte keine Hausnummer. Doch in der Nähe der Straße befindet sich ein Supermarkt und da ich sowieso noch nicht gefrühstückt hatte, erschien mir der Platz als ein ausgezeichneter Übergabeort. Ich marschierte mit Damian los. Als ich in der Nähe des Supermarktes war, rief ich an. Doch niemand nahm ab. Nur die Mailbox forderte mich auf eine Nachricht zu hinterlassen. Hatte ich schon wieder einen Fehler begangen, als ich von einer ständigen Erreichbarkeit der Besitzerin ausgegangen war? Als ich beim Supermarkt ankam, kaufte ich mir ein Frühstück und setzte mich an einen Tisch im Freien. Damian beobachtete aufmerksam die angebundenen Hunde vor dem Eingang. Eine Hundehalterin blieb vor uns stehen und fragte mich welche Farbe Damians Augen hätten. Wir unterhielten uns. Inzwischen war es bereits fast halbelf geworden und ich hatte es schon ein paarmal probiert die Besitzerin zu erreichen. Ich wusste mir keinen Rat und machte mich, nachdem ich gefrühstückt hatte, mit Damian wieder auf den Heimweg. Ich war enttäuscht und wütend und ich verspürte immer weniger Lust Damian nochmals so einer Prozedur auszusetzen.

Zu Hause hob ich Damian vorsichtig aus der Box. Nahm ihn auf den Arm und entschuldigte mich bei ihm für die Unannehmlichkeiten. Als ich ihn im Schlafzimmer auf den Boden setzte, wollte er natürlich sofort wieder nach draußen und ich erfüllte ihm seien Wunsch. Kurz vor zwölf erhielt ich den Rückruf der Besitzerin. Sie entschuldigte sich vielmals, dass sie ihr Handy nicht gehört hatte. Auch meine Geduld war auf eine harte Probe gestellt worden und mit meiner Ausdauer stand es jetzt auch fünf vor zwölf.

Wieder vereint

Am Nachmittag schlief Damian unter der schattenspendenden Hecke neben Joys Gedenktafel. Das war einer seiner Lieblingsplätze an heißen Tagen. Ich testete ob er weglaufen würde, wenn ich zu ihm gehe. Doch er blieb unbeeindruckt liegen. So ergriff ich die neue Chance. Aber vorher, weil man aus Fehlern lernt, rief ich bei den Besitzern an. Ich fragte, ob jetzt jemand Zeit hat Damian abzuholen, wenn ich ihn wieder in die Box bekommen würde. Es wurde mir bestätigt, dass es dieses Mal klappen würde. Ich atmete tief ein und aus und betete, dass er sich von mir nehmen lassen würde. Da er sich scheinbar inzwischen an das Spielchen gewöhnt hatte und sich sicher war, dass ich ihn nur spazieren tragen würde um ihn dann wieder bei mir frei zu lassen, durfte ich ihn hochnehmen und in die Box stecken. Zum Abschied drücke ich ihn noch einmal ganz fest an meine Brust. Ich fühlte wie ein Züchter, der sein Welpe abgibt mit der Hoffnung, dass er gut behandelt werden würde. Fünf Minuten nach meinem Anruf war die junge Frau da. Dankbar nahm sie Damian entgegen und ich sagte ihr, dass sie ihn zurückbringen kann, wenn er das so möchte. Der Abschied war dann doch einfacher für mich als ich dachte. Die Sorge wie und ob sich Damian und Charly je vergesellschaften lassen würden fiel von mir ab. Ich wünschte Damian, dass er sich schnell wieder bei seiner Familie einlebt und für den Winter ein kuscheliges Plätzchen hat, ohne dass er von einem eifersüchtigen Artgenossen böse angestarrt wird.

Tierkommunikation

Ich möchte Euch das Gespräch, das ich mit Charly am 21.06.2020 hatte, nicht vorenthalten. Zu dieser Zeit dachte ich noch, dass Damian ein Mädchen wäre. Charly wusste es besser und ich schreibe nachstehend einen Auszug aus diesem Gespräch.

Ich: Hallo mein Lieber, schön dass du da bist. Sprechen wir ein bisschen?

Charly: Ja. Super. Ich freu mich. Ich warte schon so lange darauf.

Ich: Ich weiß. Entschuldige, dass ich mich nicht traue.

Charly: Du darfst dich trauen. Du kannst nichts falsch machen.

Ich: Danke, dass du mich bestärkst. Wie geht es dir jetzt in Bezug auf die schwarze Katze?

Charly: Na, ja. Schon besser. Ich hab aber immer noch Angst und ich möchte dich nicht teilen. Du kümmerst dich so oft um sie.

Ich: Ja, das tut mir leid, dass du dich zurückgesetzt fühlst. Aber ich bin immer für dich da. Ich sorge mich nur um sie, weil ich denke, dass sie kein zu Hause hat.

Charly: Doch sie hat eins, aber es gefällt ihr bei dir.

Ich: Weißt du wo sie wohnt?

Charly: In der Nähe.

Ich: Ich rufe morgen beim Tierschutz an und frage was ich tun soll.

Charly: Das ist eine gute Idee, aber sie kann ruhig wieder gehen.

Ich: Möchtest du keinen Freund?

Charly: Nicht wirklich. Ich bin neidisch auf das Futter, das du ihm gibst.

Ich: Das brauchst du nicht sein. Es ist genug für euch beide da. Aber wenn sie kein Zuhause hat…ach so, du sagtest ja sie hat eins. Sie ist so nett.

Charly: Er. Es ist ein Er.

Danach redeten wir noch über seine Gesundheit.

Ich habe nicht geglaubt, was ich da erfahren hatte, bis ich eines Besseren belehrt wurde. Dieses Gespräch zeigte mir, dass ich sehr wohl meiner Intuition und den Antworten der Tiere vertrauen darf. Es gibt so vieles was der Verstand boykottiert, weil er es nicht greifen kann. Dieses Gespräch ist kein Fake und ich habe es mir auch nicht für diese Geschichte ausgedacht. Die Kommunikation mit Tieren kann sich jeder aneignen ob Mann, Frau oder Kind. Kinder zählen allerdings zu den Empfänglichsten und sie können es sowieso, bis es ihnen von der Erwachsenenwelt ausgeredet wird.

Eure Gisela mit Kater Charly

Vertrauen

Sich selbst vertrauen

Haben wir nicht alle ein Problem damit blind zu vertrauen? Ein Baby hat keine Wahl, denn es ist für das kleine Kind notwendig um zu überleben, seinen Eltern dieses Vertrauen zu schenken. Mit der beginnenden Selbständigkeit und den Enttäuschungen, die man im Laufe des Lebens erfahren muss, schwindet dieses Zutrauen. Das Misstrauen beginnt, je nach Schwere und Häufigkeit der Verletzungen, zu wachsen. Manchmal geht es so weit, dass man nicht einmal mehr sich selbst vertraut oder etwas zutraut.

Vertrauen gewinnen

In diesem Punkt sind uns die Tiere sehr ähnlich, denn ich bin fest überzeugt, dass sie genauso fühlen wie wir Menschen. Im Augenblick habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, meiner Terrassenkatze zu beweisen, dass ich ein vertrauenswürdiger Mensch bin. Ich weiß nicht was und wie viel Blacky in ihrem Leben schon an Erfahrungen gesammelt hat, aber es müssen keine guten gewesen sein. Es kann aber auch sein, dass sie sich so scheu verhält, weil sie Menschen nicht gewöhnt und sehr selbständig ist. Vielleicht braucht sie mich nicht, denn sie ist bis jetzt auch sehr gut ohne mich zurechtgekommen. Trotzdem kommt sie zu mir. Jeden Morgen, wenn ich das Rollo hochziehe liegt sie in ihrem Bettchen, das ich gegen meine Polster ausgetauscht habe oder trottet irgendwann am Vormittag müde zu ihrem Schlafplatz.

Vertrautes

Charly hat keine Angst mehr vor ihr. Auf der Terrasse wird sie geduldet und er schaut jetzt schon aus dem Fenster, ob sie da ist. Solange er in der Wohnung ist, stört sie ihn nicht, doch wenn der Hausherr das Terrassenrevier betritt, kennt er keine Gnade. Zuerst versucht er es mit einem stur auf sie gerichteten Blick sie zum Gehen zu bewegen. Wenn das nichts nützt, plustert er sich wie ein Staubwedel auf und streift langsam auf sie zu. Liegt sie in ihrem Bettchen, lässt sie sich nicht vertreiben. Dann kann es schon sein, dass ein leises Fauchen zu hören ist. Wenn ich das Gefühl habe es könnte brenzlig werden, schlichte ich die Situation. Begegnen sie sich auf offenem Terrain, ist Blacky die Klügere und gibt nach. Ihr Revier ist sicherlich sehr groß und ich denke, dass sie wegen ein paar Quadratmeter keinen Streit vom Zaun brechen möchte. Doch für Charly ist diese kleine Welt alles was er hat.

Gewachsenes Vertrauen

Mein Katerle war 12 Wochen alt, als ich ihn zu mir und Joy nach Hause geholt hatte. Als wir dann seit März 2019 zu zweit waren, hatte er nur noch mich. Ich bin die Frau, die für sein Wohlergehen sorgt und zu der er mit all seinen Problemen kommen kann, auch wenn ich ihn nicht immer gleich verstehe. Sein übergroßes Vertrauen beweist er mir damit, dass er sich von mir Dinge gefallen lässt, die er sonst bei niemandem anderen dulden würde. Das beginnt mit der Medikamenteneingabe und Fellpflege und endet damit ihn auf den Arm zu nehmen und zu tragen, was er wie die Pest hasst. Neben mir auf dem Sofa ist er total entspannt, träumt und schreckt nicht hoch, wenn ich mich plötzlich rasch bewege. Wenn uns jemand besucht, ist er immer total erledigt und braucht, wenn der Gast gegangen ist, sofort einen Erholungsschlaf. Dieses Vertrauen ist nicht einfach so da, das muss man sich schon verdienen.

Vertrauen gewinnen

Am Anfang, als Blacky bei uns auftauchte, wusste ich nicht wie ich mich verhalten sollte. Was ist richtig und was falsch. Auf jeden Fall war es „falsch“, dass ich ihr Futter gegeben habe. „Dann bleibt sie da und du wirst sie nicht mehr los!“, sagte man mir und wahrscheinlich hatten sie recht, die das sagten. Ist sie nur eine Freigängerin, die zu jemanden gehört? Ist sie eine Streunerin, die Hilfe braucht? Ist sie eine Verirrte, die nicht mehr nach Hause findet? Fragen über Fragen, die mich lange beschäftigten und immer noch nach Antworten suchen. Irgendwann habe ich mich für die zweite Variante entschieden und seitdem bekommt sie jeden Tag ihr Schüsselchen Wasser und Futter hingestellt. Ab und zu verwöhne ich sie mit einem Leckerchen. Nun ist es so, dass ich mich hiermit in eine Verantwortung begeben habe. Dieser möchte ich mich auch stellen. Deshalb habe ich mir einen Plan zurechtgelegt. Vertrauen gewinnen, Angst nehmen, in eine Tasche packen und zum Tierarzt bringen. Da würden dann zumindest die Fragen geklärt werden, ob sie gekennzeichnet ist, ein Männchen oder ein Weibchen ist, ob sie Läuse hat, gesund ist, ob sie kastriert oder – ich will es nicht hoffen – trächtig ist. Bis dahin wird aber noch eine geraume Zeit vergehen. Natürlich könnte ich die Zeit verkürzen, indem ich mir vom Tierheim eine Lebendfalle besorge und sie einfange. Doch das Vertrauen, das ich schon ein bisschen aufbauen konnte, würde verpuffen wie eine chemische Reaktion. Außerdem möchte ich sie nicht ins Tierheim stecken und ihr die Freiheit entziehen.

Zaghafte Vertrauensbeweise

Wenn ich daran denke, wie sie sich am Anfang unserer Bekanntschaft verhalten hatte, sehe ich bereits Fortschritte. Sie ist sofort weggesprungen, wenn sie mich gesehen hatte und fauchte, wenn ich ihr zu Nahe gekommen war. Heute bleibt sie in ihrem Bettchen liegen, wenn ich auf die Terrasse gehe um meinen Sonnenschirm auf- oder zuzumachen. Sie kommt bereits auf mich zu, wenn ich ihr Schüsselchen in der Hand halte und sie frisst mir die Leckerlis aus der Hand. Heute bin ich noch einen Schritt weiter gegangen und habe mich sehr gefreut, dass sie meine Körpersprache verstanden hat. Ich habe mich bäuchlings – zum Glück ist mir egal was der Nachbar denkt – vor ihr auf den Terrassenboden gelegt. Die Überraschung, dass ich mich auf ihre Augenhöhe begab, war ihr förmlich ins Gesicht geschrieben. Sie kam sofort zu mir her, legte sich vor mich hin und ließ sich am Ohr kraulen. Dann spielte sie noch mit meinem Finger ohne dass sich ihre Krallen tief in mein Fleisch bohrten. Heute hatte sie nicht einmal Angst vor meinem Smartphone und ich durfte ein paar Fotos aus naher Distanz knipsen.

Vertrauen schenken lernen

Früher dachte ich immer das Tier ist dem Menschen untertan. Seit ich mich eingehend mit der mentalen Kommunikation mit Tieren beschäftige, wurde ich eines anderen belehrt. Ich lese gerade ein Buch von Amelia Kinkade „Tierisch gute Gespräche“ und über ihre Erfahrungsberichte staune ich. Ich weiss nicht ob ich einmal annähernd so überzeugt und begeisterungsfähig sein kann wie sie, denn es bedarf große Ausdauer und Arbeit. Tierkommunikation verträgt auch keine Halbherzigkeit. Entweder ist man voll dabei oder es funktioniert nicht. Doch auch wenn ich nicht so viel Zeit investieren möchte, habe ich schon eine Menge gelernt. Die wichtigste Erkenntnis für mich ist, dass jedes Tier, ob Elefant oder Ameise, ein wunderbares Geschöpf ist und das gleiche Recht hat wie der Mensch gesehen und gehört zu werden. Bei einer effektvollen Tierkommunikation trifft sich Mensch und Tier auf Augenhöhe. Dabei wird nichts gefordert und es wird auch nicht versucht etwas zu erzwingen oder das Tier zu manipulieren. Die Wünsche des Tieres werden respektiert. Bei der telepathischen Kommunikation wird miteinander gesprochen, als würde man mit einem guten Freund telefonieren. Niemand soll sich deshalb genieren, wenn er verbal mit seinem Tier spricht, als wäre es ein Mensch. Sie verstehen uns sehr gut.

Ich wünsche Euch ein wunderschönes Wochenende mit vertrauten Tieren und Menschen.

Eure Gisela mit Charly und Pflegekatze Blacky

Charly und der schwarze Gast

Erste Begegnung

Erst habe ich ihn gar nicht bemerkt, unseren schwarzen Besuch auf der Terrasse. Erst als Charly zur Salzsäule erstarrt und mit geweiteten Augen immer in die gleiche Richtung starrte wurde ich aufmerksam. Ich erhob mich von der Sitzbank und schaute über den Tisch, was mein versteinerter Kater anstarrte. Eine schwarze, schlanke, langgestreckte Katze fixierte ihn mit ihrem gelben Blick. So standen sie sich gegenüber – Auge um Auge. Charlys Rückenhaare sträubten sich, doch ich sah noch keinen Grund einzuschreiten. Ich dachte, dass sich die Situation von selbst klären würde. Die Schwarze näherte sich meinem Vierbeiner und versuchte vorsichtig mit ihrer Nase seine Nase zu berühren. Doch das war zu viel für den Terrassenbesitzer. Er buckelte und stellte sich quer um zu zeigen wie groß und stark er ist. Jetzt hatte ich das Gefühl, doch etwas unternehmen zu müssen. Ich ging einen Schritt auf die Kontrahenten zu. Als ich neben den beiden stand und meine Hand zur Schlichtung auf Charlys Rücken legte, erschrak sich die Schwarze. Sie schaute mich mit weit aufgerissenen Augen an und verschwand durch die Begrenzungshecke.

Der Angsthase

Doch jetzt zeigte sich der wahre Held in meinem Stubentiger. Er rannte wie von der Tarantel gestochen zurück in die Wohnung, schlich ins Bad und erklomm die Waschmaschine. Ein Platz an dem er vorher noch nie gesessen hatte. Lachend versuchte ich ihm die Angst auszureden. Doch er blieb den ganzen Abend auf dem sicheren Aussichtsplatz im Dunkeln sitzen. Erst als es schon spät war, kam er in geduckter Haltung zu mir ins Wohnzimmer zurück und blickte sich ängstlich um. Langgezogen schaute er um den Vorhang herum, durch die geschlossene Terrassentür, ob die Schwarze noch da war. Ich beruhigte ihn und erklärte ihm, dass sie schon längst nach Hause gegangen war. Ab diesem Zeitpunkt wich er mir nicht mehr von der Seite. Normalerweise geht er mit mir nicht ins Bett, weil er meistens munter wird, wenn ich schlafen gehe, aber diese Nacht spürte ich ihn ganz nah bei mir liegen.

Am nächsten Tag würde er das Erlebnis bestimmt wieder vergessen haben, glaubte ich. Doch darin hatte ich mich sehr getäuscht, denn die kommenden Tage saß er, wenn ich von der Arbeit nach Hause kam, auf der Waschmaschine. Aber langsam gewöhnte er sich daran, dass eine schwarze Gleichartige täglich um und über unserer Terrasse ihr Revier absteckte. An diesen warmen Tagen beobachtete ich die Schwarze fast täglich, wie sie vor der Terrasse im Gras schlief und sich in der Sonne aalte. Manchmal spitzten nur ihre Ohren durch das Gebüsch und ich sah sie mit ihrer dunklen Tarnfarbe nicht. Aufmerksam wurde ich erst, wenn Charly seine Schnauze schnüffelnd hob und ihre Witterung außerhalb seines Territoriums aufnahm. Sie war ihm immer noch nicht geheuer und um ihm zu beweisen, dass ich auf seiner Seite stand, wollte ich die Schwarze sanft verscheuchen. Doch das war gar nicht nötig, denn sie ist mir gegenüber sehr scheu und verschwindet sofort, wenn ich ihr zu nahekomme.

Integration

Mein tapferer Kater wurde von Tag zu Tag lockerer. Die Waschmaschine wurde nicht mehr besetzt und er bewegte sich wieder normal in seiner Umgebung. Seit ein paar Tagen regnet es und die Terrasse wird von mir nicht benutzt. Gestern öffnete ich zum Lüften die Terrassentür. Sobald der Zugang nach Außen frei war, kam mein Stubenkater um frische Luft zu schnappen. Er ist kein Freigänger, aber das beschnuppern der Terrassenpflanzen findet er sehr interessant. Doch nach drei Schritten stoppte er plötzlich und erstarrte. Ich sah das schwarze Problem erst, als ich seinem Blick folgte. Da lag sie. Eingekuschelt zwischen den Polstern, die ich auf dem unter den Tisch geschobenen Sitzhocker, verstaut hatte. Sie lief nicht weg, sondern blinzelte uns abwechselnd schlichtend an. Dieses Mal näherte er sich ihr langsam, als könnte er gar nicht begreifen, wie unverschämt gemütlich es sich diese Person bei uns eingerichtet hatte. Als ich bemerkte, wie sich langsam seine Haare aufrichteten, schickte ich ihn in die Stube und schloss die Tür. Als ich mich zurück aufs Sofa setzte, kringelte er sich hinter mich mit einem unschuldigen Augenaufschlag zusammen. Der schwarze Besuch blieb jedoch unbeirrt an seinem bequemen Platz bis er seine Ruhezeit beendete. Ich sah wie sich die schwarze Migrantin herausschlängelte und lang ausstreckte. Dann warf sie noch einen Blick zu uns ins Wohnzimmer, als ob sie sich verabschieden wollte, und trottete davon. Heute, als ich von der Arbeit heimkam lag sie wieder eingekuschelt unter dem Tisch. Ich ließ sie schlafen und lüftete erst, als sie gegangen war. Mein Grauer untersuchte danach alles akribisch. Ich denke, dass er sich langsam an unseren Gast gewöhnt, doch ob die beiden Freunde werden wage ich zu bezweifeln.

Vielleicht ist sie ja auch eines Tages plötzlich wieder so verschwunden, wie sie aufgetaucht ist. Bei Katzen weiß man das ja nie so genau. Eure Gisela und Charly

Katz und Maus

Dieses Jahr gibt es sehr viele Mäuse, habe ich mir sagen lassen. Ich kann das jedenfalls bestätigen. Auf meiner Terrasse wimmelte es nur so davon. Inzwischen ist es nur noch ein grauer kleiner Pelz, der über meine Terrasse flitzt. Ich habe sie Speedy genannt. Den Mäuseschwund habe ich wahrscheinlich meinem Nachbarn zu verdanken, der die Nager lebend fängt um sie im Wald wieder frei zu lassen. Vor ein paar Wochen traf ich ihn im Hausflur und er berichtete mir von vier auf einen Streich. Weiterlesen

Ein quälendes Geräusch

Es gibt ein allabendliches Geräusch in meiner Wohnung, dass mein Nervenkostüm erheblich strapaziert. Vor allem, wenn ich entspannt auf dem Sofa liege und einen Film in Ruhe anschauen möchte. Auch wenn ich in waagrechter Position ein Buch aufschlage, ertönt dieser aufdringliche Schall. Zuerst versuche ich, es einfach zu ignorieren, aber das ist nicht leicht. Denn es hört erst auf, wenn ich dem Verursacher Beachtung schenke. „Charly hör auf damit. Was soll denn das?“, versuche ich sein krallenloses Geschabbel am Wohnzimmerschrank abzustellen. Doch damit unterbricht mein Kater sein Tun nur für den Augenblick in dem ich meinen Kopf zu ihm drehe. Sobald er jedoch meine Aufmerksamkeit verliert fängt er damit wieder an. Aus früheren Versuchen weiß ich, dass er zum Spielen keine Lust hat. Obwohl er sicher gerne zusehen würde, wie ich seine Rennmaus aufziehe oder mit der Katzenangel in der Gegend herumfuchtle. Dazu habe ich allerdings zu diesem Zeitpunkt keine Lust mehr. Ich stehe also auf und hebe ihn hoch. Das findet er wiederum schrecklich und landet zappelnd auf dem Sofa. Manchmal macht er sich dann über die Wolldecke her und bearbeitet sie mit Milchtritten. Wenn ich Glück habe, kringelt er sich nach seiner Zerstreuung ein und es herrscht Ruhe. Weiterlesen