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Ein quälendes Geräusch

Es gibt ein allabendliches Geräusch in meiner Wohnung, dass mein Nervenkostüm erheblich strapaziert. Vor allem, wenn ich entspannt auf dem Sofa liege und einen Film in Ruhe anschauen möchte. Auch wenn ich in waagrechter Position ein Buch aufschlage, ertönt dieser aufdringliche Schall. Zuerst versuche ich, es einfach zu ignorieren, aber das ist nicht leicht. Denn es hört erst auf, wenn ich dem Verursacher Beachtung schenke. „Charly hör auf damit. Was soll denn das?“, versuche ich sein krallenloses Geschabbel am Wohnzimmerschrank abzustellen. Doch damit unterbricht mein Kater sein Tun nur für den Augenblick in dem ich meinen Kopf zu ihm drehe. Sobald er jedoch meine Aufmerksamkeit verliert fängt er damit wieder an. Aus früheren Versuchen weiß ich, dass er zum Spielen keine Lust hat. Obwohl er sicher gerne zusehen würde, wie ich seine Rennmaus aufziehe oder mit der Katzenangel in der Gegend herumfuchtle. Dazu habe ich allerdings zu diesem Zeitpunkt keine Lust mehr. Ich stehe also auf und hebe ihn hoch. Das findet er wiederum schrecklich und landet zappelnd auf dem Sofa. Manchmal macht er sich dann über die Wolldecke her und bearbeitet sie mit Milchtritten. Wenn ich Glück habe, kringelt er sich nach seiner Zerstreuung ein und es herrscht Ruhe. Weiterlesen

Mein Held in Fellhosen

Wochenlang wartete Charly auf seinem Kratzbaum, der neben der Katzenklappe steht, auf Joy. Manchmal lauschte er und drehte seine kleinen Knicköhrchen in die Richtung in der er das Geräusch versuchte ausfindig zu machen. Die Redewendung -seine Ohren spitzen- wäre in seinem Fall nicht zutreffend, denn das ist ihm leider anatomisch nicht möglich. Scottish Fold‘s sagt man nach, dass sie wegen der verkrümmten Ohren schlecht hören würden. Doch ich habe festgestellt, dass er sehr gut hört, wenn er will. Nur schwer lies er sich mit der Katzenangel oder einem anderen Spielzeug aus seiner Habachtstellung ablenken. Er hielt Wache. Seinen Posten verlies er nur wenn er hungrig oder durstig war. Ich stellte mich also neben den Kratzbaum um ihn mit Streicheln zu trösten. Charly ist ein Schnurrkater, der bei der kleinsten Berührung wie ein Motor anspringt. Ich war froh, dass er trotz seiner Trauer schnurrte und sich unter meiner Hand räkelte. Er ist ein kleiner Genießer, der sich gerne den Bauch kraulen lässt. Wenn ich so neben ihm stand und aus dem Fenster sah, blickten meine Augen ins Leere. Aber mit meinem inneren Auge sah ich Joy. Weiterlesen

Zwischen Himmel und Erde – letzte Folge

Es gibt keine Antwort auf „Warum?“

Ihr habt sicher schon vermutet, dass sich Joys Geschichte dem Ende neigt. Doch irgendwann ist alles einmal zu Ende. Manchmal denkt man es wäre zu früh gewesen sich zu verabschieden und dann sucht man verzweifelt nach dem „Warum?“ Manchmal erhält man keine Erklärung und ein anders Mal ist man mit der Antwort nicht zufrieden oder einverstanden. Doch das Leben hat mich gelehrt, dass es besser ist nicht immer nach dem „Warum“ zu fragen, sondern daran zu glauben, dass alles am Ende einen Sinn ergibt. Weiterlesen

Zwischen Himmel und Erde – Fortsetzung 10

Der Tag der alles veränderte

Es war Ende Februar 2019. Die ersten Zugvögel kamen zurück. Joy wurde vom Gezwitscher immer öfters nach Draußen gelockt. Das kleine rote Kontrolllämpchen an der Katzenklappe leuchtete auf. Ein ganzes Jahr hatten die Batterien die Hochfrequentierung ausgehalten. Nun war es an der Zeit sie auszutauschen. Joy sah mir aufmerksam zu. Alles was ich tat fand sie interessant. Kaum war ich fertig, war sie auch schon wieder fort. Sie wollte nie etwas verpassen. Weiterlesen

Zwischen Himmel und Erde – Fortsetzung 9

Katzensitter

Für jeden Tierhalter, der ein paar Tage Urlaub machen möchte, stellt sich irgendwann die Frage: „Wer versorgt meine Tiere während meiner Abwesenheit?“ Hundemenschen fragen sich eher wohin kann ich meinen vierbeinigen Freund problemlos mitnehmen? Wenn das einmal nicht möglich sein sollte, packt Frauchen oder Herrchen die Lieblingsdecke, das Kuscheltier, Futter- und Trinknapf ein und bringt „Bello“ zu einer ihm meistens bekannten Person. Die Hundepension ist natürlich für jeden Menschen, der seinen Hund liebt der letzte Ausweg, aber selbst das akzeptiert der Fellträger auch wenn er dabei traurig ist. Ob seine Menschen einen Tag oder eine Woche weg waren, spielt bei der Begrüßungszeremonie nach deren Rückkehr keine Rolle. Sie wird gleich heftig ausfallen und „Bello“ ist einfach nur froh, dass seine Menschen wieder da sind. Weiterlesen

Zwischen Himmel und Erde – Fortsetzung 8

Wehe wenn sie losgelassen

Joy hatte nun den Geruch der Freiheit erschnuppert. Seitdem war ich nicht nur der Dosenöffner, sondern auch Türauf- und zuschließer vom Dienst. Bei Regen hatte ich weniger zu tun. Da lümmelte sie sich lieber in den oberen Korb des Kratzbaums oder sie setzte sich aufrecht hinein. Das sah dann aus wie bei einem Matrosen, der auf seinem Aussichtspunkt alles überblickte. Es gab nichts was Joy entging. Ihr Lieblingsschlafplatz allerdings war die Filztasche auf dem Schlafzimmerschrank. Da konnte sie vollkommen ungestört sein. Bevor ich ins Bett ging, lag sie schon oben. Manchmal beim Fernsehen bemerkte ich nicht, wenn Joy schlafen ging. Deshalb prüfte ich immer bevor ich mich ins Bett legte ob sie sich in der Tasche befand. Ich musste mich ein bisschen strecken und an einem Henkel kurz ziehen. War die Tasche schwer, konnte ich auch beruhigt einschlafen. Charly hielt sich lieber in den unteren Regionen auf. Sein Körper mit den kurzen Beinen ließ hohe Sprünge nicht zu. So konnte Joy auch ihm entkommen, wenn sie ihre Ruhe haben wollte. Weiterlesen

Zwischen Himmel und Erde – Fortsetzung 7

Freiheitsdrang

Die Katzenkinder-Winterkuschelzeit auf dem Sofa war vorbei. Der Frühling schickte immer öfters seine Sonnenstrahlen durch das Wohnzimmerfenster. Joy liebte es sich auf dem Fußboden im wärmenden Lichtkegel zu räkeln. Endlich konnte ich wieder meine Terassentüren öffnen. Ich genoss den milden Wind, der die frische Luft durch meine beiden Zimmer blies. Doch die Lüftungsaktionen gestalten sich als kompliziert, denn Joy nützte jede Gelegenheit um ebenfalls ins Freie zu gelangen. So musste ich ständig aufpassen, dass sie mir nicht unbeobachtet nach Draußen entwischte. Wahrscheinlich erinnerte sie sich an die Ausflüge an der Leine im letzten Jahr. Wenn ich die Tür zur Terrasse im Wohnzimmer öffnete, sperrte ich Joy in diesem Zimmer aus und wenn ich die Tür vom Schlafzimmer öffnete musste ich ihr diesen Zutritt verweigern. Das war anstrengend, denn Joy war flink und klug. Mit der Zeit wurden mir diese Aktionen zu anstrengend. Außerdem bekam ich Mitleid mit ihr. Ich konnte ihren Drang gut verstehen. Draußen war es viel spannender als Drinnen. Die verschiedenen Düfte und die Vögel die in der Buchenhecke zwitscherten waren viel zu interessant. Sie war kein Katzenkind mehr und sie an der Leine zu führen, war für mich genauso wenig befriedigend wie für sie. So entschloss ich mich ihr zu vertrauen und zu testen wie weit sie sich von der Terrasse entfernen würde, wenn ich sie gehen ließ. Weiterlesen

Zwischen Himmel und Erde – Fortsetzung 6

Joy wird erwachsen

Das Joy keine reinrassige BKH war, war mir von Anfang an bewusst. Trotzdem hoffte ich, dass bei ihr das rassetypische Verhalten, das sie von der Mutterseite geerbt hatte durchschlagen würde. Den BKH’s sagt man nach, dass sie später geschlechtsreif werden würden, als Hauskatzen. Doch der Vater musste wohl ein europäischer Hauskater gewesen sein über den ich leider keine Auskünfte erhalten hatte. Mein Verdacht bestärkte sich, als Joy schon bald nachdem Charly eingezogen war das erste Mal rollig wurde. Es war vor Weihnachten, als Joy sich sehr seltsam verhielt und sie war noch nicht einmal acht Monate alt. Eigentlich hatte ich vorgehabt, sie vor der Geschlechtsreife operieren zu lassen, aber die Natur war mir zuvorgekommen. Zuerst dachte ich sie wäre krank. Ihr Fell war struppig und sie saß geduckt da und kniff ihre Augen zusammen. Bis ich diesen markdruckdringenden Schrei hörte. Jeder kennt solche nächtlichen Rufe, die sich anhören wie wenn ein Baby vor dem Schlafzimmerfenster brüllen würde. Es war schrecklich und ich konnte nichts tun. Ich rief die Tierärztin an. Sie klärte mich auf, dass man erst kastrieren kann, wenn die rollige Zeit vorbei ist. Sie riet mir aber nicht zu lange zu warten, denn Katzen können nach vierzehn Tagen gleich wieder rollig werden. Joy war ein Häufchen Elend und ich konnte mir gut vorstellen, dass sie genauso wie ein junges Mädchen die das erste Mal ihre Tage bekam nicht wusste was da genau mit ihr geschah. Ich versuchte sie zu trösten, doch sie schrie, knurrte und litt. Ein Weihnachten mit Katzenjammer. Weiterlesen

Zwischen Himmel und Erde – Fortsetzung 5

Kinderstube

Der Einzug von Charly stellte mich vor einige Herausforderungen. Das Katzenstreu an das er gewöhnt war, fand ich besser als das was ich für Joy verwendete. Am Anfang bestieg Joy etwas widerwillig die Toilette mit dem fremden Inhalt. Zum Glück nahm sie ihn trotzdem an. Schwieriger war es mit dem Futter. So entschied ich, dass ich Joy auf Charlys Trockenfutter und Charly auf Joys Nassfutter umstellte. Langsam mischte ich die Trockenfuttersorten. Trotzdem blieben leichte Durchfallerkrankungen nicht aus. Charlys Darm beruhigte sich wieder von selbst, aber Joy musste ich ein leichtes Medikament verabreichen. Ich war froh, als die Beschwerden aufhörten und die Umgewöhnungszeit beendet war. Weiterlesen

Zwischen Himmel und Erde – Fortsetzung 4

Der Neue

Joy war inzwischen sieben Monate alt geworden. Ich hatte Bedenken. „Würde sie einen anderen Mitbewohner noch akzeptieren?“ Außerdem gab es noch den Mythos über Herbstkatzen, dass sie kränklicher und anfälliger wären gegenüber den Frühjahrsgeborenen. Doch der wahre Kern hinter dieser Aussage bezieht sich ausschließlich auf Katzen, die auf sich selbst gestellt sind. Der Unterschied ob ein Kätzchen auf einem Bauernhof in der warmen oder kalten Jahreszeit auf die Welt kommt ist gravierend. Deshalb verwarf ich auch diesen Einwand. Weiterlesen