Tierpsychologie

Über die Tierkommunikation zur Tierpsychologie

„Tiere sind die besseren Menschen“, sagt man. Ich finde das stimmt so nicht, denn ein Tier ist ein Tier und ein Mensch ist ein Mensch. Die Bedürfnisse an Haltung und Pflege unterscheiden sich deutlich voneinander, aber trotzdem haben beide Spezies ein Recht auf respektvollen Umgang und Rücksichtnahme.

Weil mich meine Katzen Joy und Charly immer wieder vor Rätsel stellten, hatte ich mich vor ein paar Jahren entschlossen, eine bessere Verständigung über die Tierkommunikation zu erzielen. Ich durchlebte eine spannende Zeit voller Offenbarungen und Spiritualität. Doch meine inneren Zweifler hinderten mich immer wieder daran, mich ganz und gar für dieses Thema zu öffnen und es stimmte mich traurig, dass ich nicht voll und ganz dazu bereit war. Zu meinem Pech – das ich heute als Glücksfall sehe – wurde ich im Jahr 2020 coronabedingt in Kurzarbeit geschickt. Ich hatte plötzlich viel Zeit und ich fragte mich, was ich mit ihr nun anfangen möchte. Wofür ich brenne und für was ich mich noch begeistern könnte. Schließlich bin ich keine dreißig oder vierzig, und es lässt sich nicht leugnen, auch keine fünfzig mehr und die Karriereleiter ist für mich nur noch eine kleine Klappleiter mit der man das oberste Fach des Küchenschranks erreichen kann. Die Antwort kam eigentlich ganz rasch aus meinem Bauch heraus. Du liebst und brennst für Tiere. Ich lies mir also Kataloge über Fernlehrgänge schicken und entschied mich für das Fach „Tierpsychologie – Tierhaltung, Tierbetreuung, Tiertherapie“ bei der Fernschule sgd. Im Dezember 2020 begann ich mit meinem Fernstudium und lernte ein Jahr lang begeistert, was Tiere wirklich brauchen. Die letzte Prüfungsaufgabe habe ich inzwischen eingereicht und ich warte schon voller Vorfreude auf mein Abschlusszeugnis.

Während meines Studiums habe ich sechs von diesen Büchern vollgeschrieben

Hunde, Katzen und Nager

Im vergangenen Jahr konnte ich mir viel theoretisches Wissen über die artgerechte Haltung und Pflege unterschiedlicher Heimtierarten aneignen. Auch über die richtige Ernährung habe ich viel gelernt. Vor allem die Nager werden oft falsch gefüttert, weil man sich auf das Fertigfutter vom Handel verlässt und sie davon sehr krank werden können. Auch bei Verhaltensstörungen findet man meist die Ursache darin, dass die Tiere nicht richtig untergebracht sind. Wenn ich da an meine eigenen Haltungsfehler denke, stellen sich mir im Nachhinein noch alle Haare zu Berge. Gut, damals war ich noch ein Kind mit dem brennenden Wunsch ein Haustier zu besitzen, das dann widerwillig von meinen Eltern genehmigt wurde. Dabei denke ich an meinen Wellensittich, der sein einsames Dasein auf dem Küchenschrank verbringen musste, weil Mutti nicht wusste wohin sie den viel zu kleinen Käfig sonst stellen sollte. Oder Schnuffi, mein weißes Kaninchen, das als Einzeltier in einem oben offenen Karton mit einer Auffangwanne für Urin und Kot, die mein Vater selbst gebaut hatte, im Badezimmer gehalten wurde. Und der bei Eintritt seiner Geschlechtsreife jeden in die Fersen biss, der sein Revier betrat. Vielleicht hatte man sich 1969 noch nicht so viele Gedanken um Tiere gemacht. Nicht nur einmal habe ich diese Tierseelen um Verzeihung gebeten, die ich zu Lebzeiten unwissend krank liebte. Ein Satz von meiner Studienbegleiterin hat sich da bei mir verfestigt: „Kleintiere leiden leise.“ Zum Glück sind die meisten Menschen heute verantwortungsbewusster und das Internet bietet viele Plattformen um sich genau zu informieren, was ihr Tier braucht. Trotzdem mein Appell: „Liebe Leute, bitte schafft euch kein Tier an, weil es euch unterhalten oder irgendeinem egoistischen Zweck dienen soll. Tiere haben ihre eigenen und je nach Art ihre ganz speziellen Bedürfnisse an Unterbringung, Zeit und Pflege. Deshalb ist vor der Anschaffung genau zu prüfen, ob das Tier zu den eigenen Lebensumständen und Bedürfnissen passt.“ Bei der Auswahl eines Tiers hilft ein Tierpsychologe sehr gerne weiter.

Was macht eine/n seriöse/n Tierpsychologen/in aus?

1. Ein/e gute/r Tierpsychologe/in hört sich erst einmal vorurteilsfrei das Problem des Tierhalters an. Auch wenn Menschen bei ihren Tieren Fehler machen, heißt das nicht, dass sie kein Herz haben. Sie wissen es einfach nicht besser.

2. Anschließend wird der/die Tierpsychologe/in einen Anamnesebogen dem Halter zuschicken, der gewissenhaft aufgefüllt werden muss.

3. Nach Auswertung des Fragebogens wird sich der/die Psychologe/in mit dem Besitzer des Tiers in Verbindung setzen und einen Termin vereinbaren, bei dem vor Ort die Haltungsbedingungen begutachtet werden können. Das persönliche Gespräch ist dabei äußerst wichtig und hilfreich.

4. Nach diesem Termin wird ein/e Tierpsychologe/in einen Maßnahmenkatalog und einen Therapieplan unter Absprache mit dem/der Tierhalter/in erstellen. Die Maßnahmen müssen auch zu den persönlichen Umständen des/der Halters/in passen und auch für ihn/sie umsetzbar sein.

5. Nach ein paar Wochen wird wieder ein Gespräch zwischen Tierpsychologe/in und Halter/in stattfinden um Fortschritte oder Verbesserungen der Therapie zu besprechen.

6. Ein/e gute/r Tierpsychologe/in scheut sich auch nicht ganz klar auszusprechen, wenn es für das Tier besser wäre einen neune Platz zu finden und er/sie würde auch anbieten bei der Suche eines guten Platzes zu helfen.

Leider ist es so, dass sich die meisten Menschen erst für eine Beratung entschließen, wenn der eigene Leidensdruck über das „Fehlverhalten“ seines Tieres schon sehr groß ist. Es wäre besser, wenn man sämtliche Auffälligkeiten bereits vor einer Resignation mit einem/r Therapeuten/in besprechen würde. Auch artgerechtes Verhalten kann als Verhaltensstörung empfunden werden.

Manchmal nervt mich auch Charly

Gleich vorweg. Ich liebe meinen Kater, aber es gibt Momente wo ich ihn am liebsten zum Mond katapultieren würde. Zum Beispiel, wenn er mich morgens um vier oder um fünf weckt und sehr penetrant darauf besteht sein Futter zu erhalten. Warum er das macht hat mehrere Gründe, die mir sehr bewusst sind, die ich aber leider nicht ändern kann. So muss ich eben in den sauren Apfel beißen und ihm sein Anliegen erfüllen. Schließlich bin ich der einzige Dosenöffner im Haus und Charly ist kein Freigänger, der sich seine Mahlzeit selbst besorgen kann. Jedem der sich eine Katze anschafft, muss sich im Klaren darüber sein, dass Katzen andere Schlafgewohnheiten haben und sie nur bedingt an den Menschen anpassen. Es gehört zu ihrem natürlichen Verhalten, dass sie mehrmals am Tag und auch nachts auf die Jagd gehen. Außerdem ist es ihnen in Einzelhaltung stinklangweilig und wollen beschäftigt werden. Dafür hat eine Katze den Vorteil, dass man nicht bei Wind und Wetter raus muss wie bei einem Hund, der auch länger auf sein Futter warten kann. Trotzdem erinnere ich mich an meine eigenen Hunde, die auch mal Durchfall hatten und ich mitten in der Nacht schnell über meinen Schlafanzug eine Jogginghose und eine Jacke gezogen hatte, um ganz schnell den Kranken nach draußen zu bringen.

So hat jede Tierhaltung seine Vor- und Nachteile, die es genau abzuwägen gilt, ob man bereit ist Opfer zu bringen. Charly jedenfalls hat mich sehr gut im Griff und kann mir auch ohne Worte zeigen, was er möchte.

Charly hat sich in mein Herz geangelt

Zu meinem theoretischen Wissen habe ich im Tierheim Augsburg ein Praktikum gemacht. Auslernen wird man allerdings nie. Nicht nur jede Tierart, sondern jedes einzelne Tier hat seinen ganz speziellen Charakter, und so verhält es sich auch. Aber von wem soll man besser lernen, als von den Tieren seiner Kunden und wenn ich helfen kann, stehe ich gerne mit Rat und Tat zur Seite.